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Grünau

Erste Erwähnung:1365
Einwohner 1939:384
Fläche 1930:592,5 ha ([KB-01], S. 151)
Landkreis:Mährisch Trübau
tschech. Name:Gruna
Karte Schönhengstgau x
Grünau

Siegel Der Ort entsteht im Lauf der Besiedlung im 13. und 14. Jahrhundert. Eine lateinische Urkunde des Jahres 1365 erwähnt einen Grünauer Hof, der von einem Vladik, einem Angehörigen des untersten tschechischen Adels bewirtschaftet wird, und der anfangs auch die Gerichtsbarkeit im Auftrage des Grundherren ausübte. Im 30-jährigen Krieg wird der Ort verwüstet und besteht nur noch aus sechs (von vormals 31) Bauernhöfen. 1900 verfügt Grünau über 71 Häuser und 416 Einwohner.

Die Ansiedlung gehörte ursprünglich zur Herrschaft Cymburg-Türnau und die Kirche, die bereits vor 1400 bestand, war zunächst eine Filialkirche der Türnauer Pfarrkirche. Nach den Wirren der Religionskriege, in denen der Ort zeitweise evangelisch war, bevor eine gewaltsame Rekatholisierung erfolgte, kam Grünau im Jahre 1625 zur Pfarre Altstadt. Am 15. Februar 1769 bewilligte das bischöfliche Konsistorium in Olmütz einen Kaplan und nach einer Erhöhung der Bezüge durch den Religionsfonds konnte ein selbständiger Pfarrer bezahlt werden.

Ortsansicht 1779 war Seibelsdorf zur Pfarre Grünau gekommen, 1787 Charlottendorf bei seiner Gründung. Pirkelsdorf und Pohres, beide in kirchlichen Angelegenheiten schon seit 1770 teilweise von Grünau betreut, kamen 1851 offiziell von Altstadt zum Grünauer Pfarrsprengel. Die alte Kirche war baufällig geworden. Nach einer langen Zeit des Ansammelns von Spenden konnte schließlich im Jahre 1834 eine neue Kirche neben der alten errichtet werden. Den einfachen klassizistischen Bau mit spätbarockem Turmhelm weihte man dem Hl. Laurentius, dem schon die alte, nun abgetragene Kirche gewidmet war.

Kaiserin Maria Theresia hatte im Jahr 1754 eine Poststraße von Olmütz über Loschitz (später Müglitz) und Ketzelsdorf nach Leitomischl und weiter bis Zittau in Sachsen errichten lassen. 1755 erging an den Olmützer Postverwalter der Befehl, einen tauglichen Ort für eine weitere Station zwischen Ketzelsdorf und Loschitz auszumachen. Ein kreisamtlicher Erlass von 1757 notiert die Einrichtung im Grünauer Erbgericht. "Vom königlichen Kreisamte wegen des Olmützer Kreises, Mähr. Trübauer und Godensteiner Viertel im Markgraf-Tume Mähren wird bei dem Mähr. Trübauer Amtmanne hiemit verordnet, daß derselbe dem Grünauer Erbrichter Hanisch als wirklich angestellten Postförderer von den Naturaltransportfuhren freilassen solle, indem daß er seine haltenden Pferde zur Beförderung der Postvorfallenheiten bei Hause haben muß, mithin in Natural mit denen Transportfuhren nicht concurieren kann. Spann m.p." (nach [KB-01], S. 141)

Turnverein Grünau war wie die meisten Orte im Schönhengstgau von der Landwirtschaft geprägt, wozu die Weberei kam. Allerdings erlangte schließlich auch die Industriearbeit einen wichtigen Anteil an den Einnahmequellen. Die Statistik verzeichnet für 1930 als in Land- und Forstwirtschaft tätig 224 Einwohner, 85 in Industrie und Gewerbe, acht waren Angestellte und Beamte und 42 Personen arbeiteten in selbständigen Betrieben. Ein reiches Vereinsleben umfasste neben einem Kirchenchor auch Theateraufführungen durch die Dorfjugend und beides erlebte in Grünau vor allem nach dem Ersten Weltkrieg besondere Pflege.

Zu Grünau existiert ein von Mauritz Fritscher ab 1923 verfasstes Gedenkbuch der Gemeinde Grünau (s. Quellen bei [KB-01]).